Rezensionen

Reihenvorstellung: Die Weitseher-Trilogie von Robin Hobb

20171123_144444Robin Hobbs Realm of the Elderlings Reihe ist eine meiner absoluten Lieblingsreihen. Heute möchte ich Euch die erste Trilogie, welche in dieser Welt spielt, vorstellen.

Worum geht es:

Als Fitz mit sechs Jahren an den königlichen Hof geschickt wird, löst das einen kleinen Skandal aus, denn Fitz ist der Bastardsohn des Thronfolgers, Prinz Chivalric. Als königlicher Bastard fühlt er sich weder dem höfischen Adel noch dem einfachen Gesinde zugehörig, und so verbringt er seine Tage meistens allein. Nur der Stallmeister Burrich, ehemaliger Gefolgsmann seines Vaters, kümmert sich um ihn.

Eines Tages beschließt der König jedoch, ihn in seine Dienste aufzunehmen und ihn zum königlichen Assassinen ausbilden zu lassen. Doch ein Mann des Königs zu sein, hat auch seinen Preis. Nicht nur muss er sich zwischen seiner Treue dem König gegenüber und seinen eigenen Wünschen entscheiden, bald schon findet er sich in einem Geflecht aus Macht und Intrigen wider, dass nicht nur sein eigenes Leben bedroht, sondern auch das der Menschen, die er liebt.

Und dann gibt es ja auch noch die Roten Korsaren, welche die Küsten heimsuchen und die Sicherheit des Landes bedrohen.

Schreibstil und Erzählweise:

Robin Hobb schreibt auf eine sehr detaillierte Art und Weise, welche ich jedoch nie als langatmig empfunden habe. Ihre Wortwahl ist elegant, ohne jedoch zu blumig oder überladen zu wirken. Der Schreibstil ist hat mich von der ersten Seite an gefesselt und trotz der Detailreiche hatte ich an keiner Stelle das Gefühl, mit Informationen oder unnötigen Details überhäuft zu werden. Vielmehr lässt die Autorin durch ihren tollen Schreibstil eine wundervolle Welt in den Köpfen der Leser entstehen. Auch die Dialoge wirken realistisch und authentisch und tragen somit dazu bei, ein realistisches und glaubwürdiges Bild der Welt und der Charaktere zu erschaffen.

Die Geschichte wird von einem erwachsenen Fitz erzählt, welcher rückblickend die ersten zwanzig Jahre seines Lebens schildert. Durch die gewählte Ich-Perspektive, gelingt es der Autorin, eine unglaubliche Nähe zu dem Protagonisten Fitz aufzubauen und dessen Gedanken und Gefühle gekonnt zu vermitteln.

Die Geschichte wird überwiegend in einem eher ruhigen Tempo erzählt, was mich persönlich jedoch überhaupt nicht gestört hat. Viele Szenen sind alltäglichen Dingen und Charakterinteraktionen gewidmet, was für manch einen vielleicht langweilig ist, mir aber überhaupt nichts ausgemacht hat. Tatsächlich empfand ich die Geschichte an keiner Stelle langweilig, was Robin Hobbs tollem Schreibstil zu verdanken ist. Das heißt jedoch nicht, dass in den Büchern keine Actionszenen zu finden sind, denn die gibt es definitiv.

Charaktere:

Robin Hobbs größte Stärke liegt meiner Meinung nach in ihren Charakteren und wie sie es schafft ihnen Leben einzuhauchen. Alle Personen wirken unglaublich echt und lebendig. Man hat das Gefühl, von echten Menschen zu lesen und nicht von Figuren, welche von einem Autor erschaffen wurden. Das bedeutet auch, dass die Charakter durchaus Fehler machen oder sich teilweise dämlich verhalten, was jedoch nie unglaubwürdig erscheint, sondern sie einfach nur menschlich erscheinen lässt. Ich konnte mich immer unglaublich gut in die Lage der verschiedenen Personen hineinversetzten und deren Motivationen und Taten nachvollziehen. Das gilt natürlich vor allem für den Hautcharakter Fitz, welcher  mir von den ersten Seiten an unglaublich ans Herz gewachsen ist. Man fühlt mit ihm mit, wie er sich durch eine Welt schlägt, in welcher er es schwer hat, akzeptiert zu werden und in welcher ihm von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden. Ihm wird eine Berufung auferlegt, mit der er nicht glücklich ist und seine Verwandtschaft zur Krone hält ihn davon ab, seine Zukunft nach eigenen Wünschen zu gestalten. Und dann muss er sich auch noch mit Intrigen am Königshof herumschlagen, welche nicht nur sein eigenes Leben bedrohen, sondern auch das der Menschen, die er liebt. Robin Hobb schafft es wunderbar, das Innenleben ihres Protagonisten zu beschreiben. Man fühlt seine Einsamkeit, seine Ängste und Sorgen, seine Entschlossenheit sich zu beweisen, aber auch seine innere Zerrissenheit, welche von seiner Treue zum König und dem Wunsch, sein eigenes Leben zu gestalten, herrührt.

Auch die anderen Charaktere sind wundervoll ausgearbeitet. Manche sind mir genauso stark ans Herz gewachsen wie Fitz, andere habe ich zutiefst verabscheut. Besonders begeistert war ich von dem Narren des Königs, einem der engsten Freunde von Fitz und einem der mysteriösesten Figuren in der ganzen Trilogie.

Worldbuilding:

Die Welt ist wie in vielen Fantasyromanen stark an das mittelalterliche Europa angelehnt, es gibt also Burgen, Könige und deren Untertanen, verschiedene Herzogtümer etc. Auch die Fantasy-Elemente sind sehr gut gewählt. Wer jedoch auf ein Buch mit Elfen, Zwergen, Trollen etc. hofft, wird enttäuscht werden. Stattdessen erwarten den Leser zwei sehr interessante Magiesysteme: Die Gabe und die alte Macht. Die Gage ermöglicht es den Nutzern auf telepathische Weise zu kommunizieren, die Gedanken und Erinnerungen anderer Menschen zu lesen und Menschen sogar bis zu einem gewissen Grad zu manipulieren. Die alte Macht wiederum gibt dem Nutzer die Fähigkeit, die Präsenz anderer Lebewesen wahrnehmen und mit Tieren zu kommunizieren und sogar sich mit einem Tier zu verschwistern. Im Gegensatz zu der Gabe, ist diese Fähigkeit jedoch sehr verpönt unter der Bevölkerung. Anfangs spielt die Handlung hauptsächlich in Bocksburg, der Königssitz, und deren Umgebung, im Laufe der Geschichte bekommt man jedoch einen immer größeren Einblick in die Welt.

 

Die Geschichte ist definitiv keine fröhliche. Fitz passieren eine Menge schrecklicher Dinge und als Leser leidet man mit ihm mit. Robin Hobb hat ein Talent dafür, die verschiedensten Emotionen zu erwecken. Trauer, Schmerz, Frustration, Besorgnis, aber auch Freude und Triumpf. Nicht nur einmal musste ich mehr als nur ein paar Tränen verdrücken, während andere Szenen mich zutiefst berührt haben, einfach weil mir die Charaktere so sehr ans Herz gewachsen sind. Die Stimmung ist oftmals eher bedrückend und pessimistisch, da die Autorin nicht davor scheut, ihre Charaktere durch die Hölle zu schicken und oftmals zuerst kein Hoffnungsschimmer zu erkennen ist. Jedoch bekommen dadurch die kleinen Siege und glücklichen Momente umso mehr Kraft und Bedeutung.

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Die Weitseher-Trilogie ist eine meiner absoluten Lieblingstrilogien und eine absolute Leseempfehlung für jeden Fantasy-Fan. Wer auf ausgefeilte Charaktere, einen tollen Schreibstil und eine spannende und emotionale Handlung Wert legt und sich dabei nicht an stellenweisen etwas ruhigeren Passagen stört, kann hier meiner Meinung nach nichts falsch machen.

 

Die Trilogie:

1. Teil:
englisch: Assassin’s Apprentice
deutsch: Der Adept des Assassinn (1999) / Der Weitseher (2009) / Die Gabe der Könige (2017)

2. Teil:
englisch: Royal Assassin
deutsch: Des Königs Meuchelmörder (1999) / Der Schattenbote (2009) / Der Bruder des Wolfes (2017)

3. Teil:
englisch: Assassin’s Quest
deutsch: Die Magie des Assassinen (2000) / Der Nachtmagier (2010) / Das Erbe der Schatten (2017)

 

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